Epidemisch-Infektiöse Idiotie

Warnung des Bundesamtes für Zivilisationskrankheiten

Neueste Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Krebs und Herzinfarkt als bisher häufigste Zivilisationskrankheiten von der ‚Multiplen Epidemisch-Infektiösen Idiotie’ oder kurz MEII-Syndrom abgelöst werden. Diese Erkrankung ist in ihrem Erscheinungsbild äußerst variabel, weshalb man von einem Syndrom spricht. Sie tritt eigenartigerweise in einer selbst für Experten kaum noch überschaubaren Vielfalt auf.

Zwar sind die ätiologischen Zusammenhänge noch nicht vollständig analysiert und alle Erreger eindeutig identifiziert worden, doch lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, dass es sich um eine Gruppe von sog. subviralen Pathogenen handelt, die alle das gleiche Antigen mit dem wissenschaftlichen Namen blöd++ besitzen, ansonsten aber sehr verschiedene Gestalt haben können und diese umweltbedingt sogar verändern. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die mehr oder weniger abweichenden Symptome bei verschiedenen Varianten jeweils auf spontane oder induzierte Mutationen zurückzuführen sind. Voraussetzung der Erkrankung scheint aber immer eine Disposition des Infizierten zu sein, die man in der Struktur des Gehirns vermutet und die dort zu einer Übererregbarkeit im sog. Reptilienhirn, einem archaischen Teil des menschlichen Hirns, führt. 

Die Pathogene werden offenbar sowohl von Person zu Person als auch auf indirektem Wege übertragen, z. B. über Bücher und andere Materialien. Leider konnte bisher weder die Inkubationszeit der Krankheit verlässlich bestimmt werden, noch besteht Eindeutigkeit bezüglich ihrer frühen Symptome. Nach den vorliegenden Daten sind Männer häufiger betroffen als Frauen, zumindest von bestimmten aggressiven Syndrom-Varianten.

Besonders auffällig sind z. B. bei der MEII-Naz-Mutante ein häufig sehr plötzlich einsetzender Haarverlust sowie lautes, grölendes Verhalten und unkontrolliertes Heben des rechten Arms, nicht selten auch verbale Diarrhö. Für die MEII-Salaf-Mutante sind hingegen typische Symptome ein starker Bartwuchs, ein sozialer Rückzug von der Familie, ein übergroßer Drang, sich mehrmals täglich zu Boden zu werfen, manchmal verbunden mit einer gewissen Zugunruhe, wie man sie sonst von Vögeln kennt. Äußerlich nicht sichtbar, dafür aber umso tragischer ist bei vielen Varianten die progrediente, unheilbare Schrumpfung des Neocortex bis hin zum Totalverlust (Anencephalie), die z.B. bei der MEII-IS-Mutante schließlich dazu führt, dass sich die Erkrankten selbst in die Luft sprengen.

Über die Faktoren, die die Morbidität im einzelnen beeinflussen, weiß man noch sehr wenig, obwohl ähnliche Krankheitsbilder bereits lange bekannt sind und sich sogar in historischen Dokumenten, etwa aus der Zeit der Kreuzzüge, finden lassen. Man weiß daher, dass die Krankheit in ihren bösartigen Formen epidemisches Ausmaß annimmt und dann katastrophale Auswirkungen auf ganze Völker hat. Ob international koordinierte Quarantänemaßnahmen medizinisch möglich und vor allem auch wirksam sind, ist bis heute völlig unklar.

Die Erreger sind gegen nahezu alle angewandten Therapien resistent, wahrscheinlich sogar multiresistent, und insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung hoch ansteckend. Anders als bei viralen und bakteriellen Infektionen können jegliche kurativ-stabilisierenden und pflegerischen Maßnahmen zur Entwicklung besonders aggressiver Verläufe mit teils eskalierender Symptomatik führen. Andererseits sind die Erreger über Jahrzehnte hinweg latent in der Bevölkerung vorhanden, ohne dass es zu Beschwerden kommt oder nur zu milderen Symptomen, wie dem gemeinschaftlichem Grölen in großen Arenen oder Stadien. In einigen Städten und Regionen der östlichen Bundesländer gibt es aber auch immer wieder akute Krankheitsausbrüche bei vorher völlig symptomfreien Personen, manchmal mit plötzlichem Erregungszustand und nächtlicher Aktivität im Zusammenhang mit hohen Temperaturen und zum Teil tragischen Verläufen. Ein eigenartiges Infektionsmuster zeigen die MEII-Naz1-Mutante in Ungarn und die MEII-Naz2-Mutante in Polen, die neben den bekannten Risikopersonen dort besonders auch Politiker und hohe Funktionsträger infiziert haben, wodurch krankmachende Auswirkungen auf die Gesamtbevölkerung zu erwarten sind.

Eine andere, in der Regel jedoch recht gutartige MEII-Form ist vor längerer Zeit vermutlich durch eine Spontanmutation in Bayern entstanden (MEII-Wi nach dem Entdeckungsort Wies’n). Sie tritt jährlich im Oktober epidemisch mit Schwerpunkt im Raum München auf und ist mit Symptomen von Gleichgewichts- und Sprachstörungen bis hin zu Jodeln, Logorrhoe und retrograder Amnesie verbunden. Für andere Regionen hat sie epidemiologisch eine untergeordnete Bedeutung, weil ihr Verlauf offenbar vom Morbiditätsfaktor Blasmusik abhängig ist.

Alle Therapien und Präventionsmaßnahmen auf nationaler Ebene haben sich bislang als nahezu wirkungslos erwiesen, deshalb ist weitere Forschung dringend notwendig. Eine Wissenschaftlergruppe aus Psychologen und Psychiatern soll jetzt erkunden, bei welchen  MEII-Varianten oder ob evtl. bei allen Mutanten im Hintergrund eine larvierte Angststörung vorhanden ist, so wie es auch bei an Verschwörungs- und Weltuntergangstheorien Erkrankten angenommen wird. Eine neuropsychologische Arbeitsgruppe in Tübingen hat nämlich kürzlich herausgefunden, dass diese Erkrankungen mit massiven Wahrnehmungsstörungen und meist auch stark beeinträchtigter Empathiefähigkeit einhergehen. Eine DFG-Forschungsgruppe, die sich bisher mit dem Zusammenhang von Aggressivität und Genen bei Ratten beschäftigt hat, soll jetzt im Verbund mehrerer Universitäten untersuchen, ob die bei besonders aggressiven Ratten nachgewiesenen aggr++- und rdkl++-Mutationen auch bei MEII-Erkrankten auftreten und inwieweit diese von der Anwesenheit von sog. ‚freien Radikalen’ gefördert werden bzw. wie sie medikamentös gehemmt werden können.

Bei dieser aktuell noch sehr verwirrenden Datenlage gibt es aber eine gute Nachricht für alle Infizierten: eine MEII-Infektion endet für den akut Erkrankten nur in seltensten Fällen tödlich, außer bei der schon erwähnten äußerst bösartigen Mutante MEII-IS. Doch leider sind fast alle MEII-Mutanten hoch virulent und insbesondere über soziale Netzwerke ansteckend. Wegen der noch nicht absehbaren Folgen der gegenwärtig epidemieartigen Ausbreitung bösartiger Mutanten sieht sich das Bundesamt für Zivilisationskrankheiten (BfZK) zu einer eindringlichen Warnung an alle Internetnutzer veranlasst. Vor allem Facebook kommt als ein gängiger Infektionsherd infrage. Infizierte, die sich selbst Klarheit verschaffen wollen, oder besorgte Familienangehörige sollten sicherheitshalber mit ihrem Hausarzt sprechen.

Die Bundesregierung berät zurzeit, ob es notwendig ist, ergänzend zur Informationsdatenspeicherung eine allgemeine Meldepflicht für MEII-Erkrankte einzuführen.

Bundesamt für Zivilisationskrankheiten (BfZK)

Pressemitteilung vom 8. Januar 2016

(ACHTUNG SATIRE!)

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Nachtrag (2. Januar 2017):

Eine weitere nur schwach aggressive, aber sehr infektiöse MEII-Variante konnte inzwischen identifiziert werden. Diese gibt es wohl schon länger, da die die relativ unspezifischen Symptome wie negatives Denken, Realitätsverleugnung, ungezügeltes Empörtsein, Kritiksucht und Undankbarkeit in submorbider Ausprägung als "Herumnölen" weithin bekannt sind. Treten sie jedoch anfallsartig auf, wie z. B. in der Beschimpfung der Kölner Polizei in und nach der Silvesternacht 2016, so muss man von einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung ausgehen. Offenbar sind Politiker bevorzugt infiziert. So konnte aktuell bei einer Vertreterin der Partei Die Grünen die MEII-Nöl-Mutante nachgewiesen werden. Ob es einen Zusammenhang mit dem winterlichen UV-Mangel gibt, wird untersucht.