Umweltbeobachtungen (BLOG):                 Satirische und ernste Notizen

Fr

08

Jan

2016

Epidemisch-Infektiöse Idiotie

Warnung des Bundesamtes für Zivilisationskrankheiten

Neueste Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Krebs und Herzinfarkt als bisher häufigste Zivilisationskrankheiten von der ‚Multiplen Epidemisch-Infektiösen Idiotie’ oder kurz MEII-Syndrom abgelöst werden. Diese Erkrankung ist in ihrem Erscheinungsbild äußerst variabel, weshalb man von einem Syndrom spricht. Sie tritt eigenartigerweise in einer selbst für Experten kaum noch überschaubaren Vielfalt auf.

Zwar sind die ätiologischen Zusammenhänge noch nicht vollständig analysiert und alle Erreger eindeutig identifiziert worden, doch lässt sich mit einiger Sicherheit sagen, dass es sich um eine Gruppe von sog. subviralen Pathogenen handelt, die alle das gleiche Antigen mit dem wissenschaftlichen Namen blöd++ besitzen, ansonsten aber sehr verschiedene Gestalt haben können und diese umweltbedingt sogar verändern. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die mehr oder weniger abweichenden Symptome bei verschiedenen Varianten jeweils auf spontane oder induzierte Mutationen zurückzuführen sind. Voraussetzung der Erkrankung scheint aber immer eine Disposition des Infizierten zu sein, die man in der Struktur des Gehirns vermutet und die dort zu einer Übererregbarkeit im sog. Reptilienhirn, einem archaischen Teil des menschlichen Hirns, führt. 

Die Pathogene werden offenbar sowohl von Person zu Person als auch auf indirektem Wege übertragen, z. B. über Bücher und andere Materialien. Leider konnte bisher weder die Inkubationszeit der Krankheit verlässlich bestimmt werden, noch besteht Eindeutigkeit bezüglich ihrer frühen Symptome. Nach den vorliegenden Daten sind Männer häufiger betroffen als Frauen, zumindest von bestimmten aggressiven Syndrom-Varianten.

Besonders auffällig sind z. B. bei der MEII-Naz-Mutante ein häufig sehr plötzlich einsetzender Haarverlust sowie lautes, grölendes Verhalten und unkontrolliertes Heben des rechten Arms, nicht selten auch verbale Diarrhö. Für die MEII-Salaf-Mutante sind hingegen typische Symptome ein starker Bartwuchs, ein sozialer Rückzug von der Familie, ein übergroßer Drang, sich mehrmals täglich zu Boden zu werfen, manchmal verbunden mit einer gewissen Zugunruhe, wie man sie sonst von Vögeln kennt. Äußerlich nicht sichtbar, dafür aber umso tragischer ist bei vielen Varianten die progrediente, unheilbare Schrumpfung des Neocortex bis hin zum Totalverlust (Anencephalie), die z.B. bei der MEII-IS-Mutante schließlich dazu führt, dass sich die Erkrankten selbst in die Luft sprengen.

Über die Faktoren, die die Morbidität im einzelnen beeinflussen, weiß man noch sehr wenig, obwohl ähnliche Krankheitsbilder bereits lange bekannt sind und sich sogar in historischen Dokumenten, etwa aus der Zeit der Kreuzzüge, finden lassen. Man weiß daher, dass die Krankheit in ihren bösartigen Formen epidemisches Ausmaß annimmt und dann katastrophale Auswirkungen auf ganze Völker hat. Ob international koordinierte Quarantänemaßnahmen medizinisch möglich und vor allem auch wirksam sind, ist bis heute völlig unklar.

Die Erreger sind gegen nahezu alle angewandten Therapien resistent, wahrscheinlich sogar multiresistent, und insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung hoch ansteckend. Anders als bei viralen und bakteriellen Infektionen können jegliche kurativ-stabilisierenden und pflegerischen Maßnahmen zur Entwicklung besonders aggressiver Verläufe mit teils eskalierender Symptomatik führen. Andererseits sind die Erreger über Jahrzehnte hinweg latent in der Bevölkerung vorhanden, ohne dass es zu Beschwerden kommt oder nur zu milderen Symptomen, wie dem gemeinschaftlichem Grölen in großen Arenen oder Stadien. In einigen Städten und Regionen der östlichen Bundesländer gibt es aber auch immer wieder akute Krankheitsausbrüche bei vorher völlig symptomfreien Personen, manchmal mit plötzlichem Erregungszustand und nächtlicher Aktivität im Zusammenhang mit hohen Temperaturen und zum Teil tragischen Verläufen. Ein eigenartiges Infektionsmuster zeigen die MEII-Naz1-Mutante in Ungarn und die MEII-Naz2-Mutante in Polen, die neben den bekannten Risikopersonen dort besonders auch Politiker und hohe Funktionsträger infiziert haben, wodurch krankmachende Auswirkungen auf die Gesamtbevölkerung zu erwarten sind.

Eine andere, in der Regel jedoch recht gutartige MEII-Form ist vor längerer Zeit vermutlich durch eine Spontanmutation in Bayern entstanden (MEII-Wi nach dem Entdeckungsort Wies’n). Sie tritt jährlich im Oktober epidemisch mit Schwerpunkt im Raum München auf und ist mit Symptomen von Gleichgewichts- und Sprachstörungen bis hin zu Jodeln, Logorrhoe und retrograder Amnesie verbunden. Für andere Regionen hat sie epidemiologisch eine untergeordnete Bedeutung, weil ihr Verlauf offenbar vom Morbiditätsfaktor Blasmusik abhängig ist.

Alle Therapien und Präventionsmaßnahmen auf nationaler Ebene haben sich bislang als nahezu wirkungslos erwiesen, deshalb ist weitere Forschung dringend notwendig. Eine Wissenschaftlergruppe aus Psychologen und Psychiatern soll jetzt erkunden, bei welchen  MEII-Varianten oder ob evtl. bei allen Mutanten im Hintergrund eine larvierte Angststörung vorhanden ist, so wie es auch bei an Verschwörungs- und Weltuntergangstheorien Erkrankten angenommen wird. Eine neuropsychologische Arbeitsgruppe in Tübingen hat nämlich kürzlich herausgefunden, dass diese Erkrankungen mit massiven Wahrnehmungsstörungen und meist auch stark beeinträchtigter Empathiefähigkeit einhergehen. Eine DFG-Forschungsgruppe, die sich bisher mit dem Zusammenhang von Aggressivität und Genen bei Ratten beschäftigt hat, soll jetzt im Verbund mehrerer Universitäten untersuchen, ob die bei besonders aggressiven Ratten nachgewiesenen aggr++- und rdkl++-Mutationen auch bei MEII-Erkrankten auftreten und inwieweit diese von der Anwesenheit von sog. ‚freien Radikalen’ gefördert werden bzw. wie sie medikamentös gehemmt werden können.

Bei dieser aktuell noch sehr verwirrenden Datenlage gibt es aber eine gute Nachricht für alle Infizierten: eine MEII-Infektion endet für den akut Erkrankten nur in seltensten Fällen tödlich, außer bei der schon erwähnten äußerst bösartigen Mutante MEII-IS. Doch leider sind fast alle MEII-Mutanten hoch virulent und insbesondere über soziale Netzwerke ansteckend. Wegen der noch nicht absehbaren Folgen der gegenwärtig epidemieartigen Ausbreitung bösartiger Mutanten sieht sich das Bundesamt für Zivilisationskrankheiten (BfZK) zu einer eindringlichen Warnung an alle Internetnutzer veranlasst. Vor allem Facebook kommt als ein gängiger Infektionsherd infrage. Infizierte, die sich selbst Klarheit verschaffen wollen, oder besorgte Familienangehörige sollten sicherheitshalber mit ihrem Hausarzt sprechen.

Die Bundesregierung berät zurzeit, ob es notwendig ist, ergänzend zur Informationsdatenspeicherung eine allgemeine Meldepflicht für MEII-Erkrankte einzuführen.

Bundesamt für Zivilisationskrankheiten (BfZK)

Pressemitteilung vom 8. Januar 2016

(ACHTUNG SATIRE!)

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Nachtrag (2. Januar 2017):

Eine weitere nur schwach aggressive, aber sehr infektiöse MEII-Variante konnte inzwischen identifiziert werden. Diese gibt es wohl schon länger, da die die relativ unspezifischen Symptome wie negatives Denken, Realitätsverleugnung, ungezügeltes Empörtsein, Kritiksucht und Undankbarkeit in submorbider Ausprägung als "Herumnölen" weithin bekannt sind. Treten sie jedoch anfallsartig auf, wie z. B. in der Beschimpfung der Kölner Polizei in und nach der Silvesternacht 2016, so muss man von einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung ausgehen. Offenbar sind Politiker bevorzugt infiziert. So konnte aktuell bei einer Vertreterin der Partei Die Grünen die MEII-Nöl-Mutante nachgewiesen werden. Ob es einen Zusammenhang mit dem winterlichen UV-Mangel gibt, wird untersucht.

 

Di

29

Dez

2015

Hat der 'ne Maise?

Kranich auf Maisacker - was will denn der da?

 

Ökologisch kontrastreicher kann ein Bild kaum sein: ein weithin als bedroht geltendes Objekt des Naturschutzes sucht Nahrung auf dem abgeernteten Feld dieser landwirtschaftlichen Monokultur. Vor einigen Jahren bei einer Zugfahrt von Hamburg nach Berlin sah ich sogar geschätzte 2.000 Kraniche auf einem Maisacker stehen. Also: Mais ist für Kraniche gut!

 

"Mais ist für alle gut!" so will uns die Mais-Lobby mit vielen Sachinformationen glauben machen. Der Legende nach soll ja sogar ein Inka-Gott den Menschen aus Mais geschaffen haben (freundliche persönliche Facebook-Mitteilung eines Mais-Freundes zu meinem Blog-Beitrag über "Syphilis in Schleswig-Holstein").

 

Es ist eigentlich verwunderlich, daß die Mais-Lobby noch nicht die nachweisliche Vermehrung des Kranichbestandes in Deutschland mit der Zunahme der Mais-Anbaufläche in Zusammenhang gebracht hat. Schon schreiben die Landwirtschaftskammern in einer Broschüre: "Als Beispiele für Arten, die z. B. in großen, strukturarmen Schlägen ein ideales Habitat vorfinden, seien hier die Weihenarten (Wiesen-, Rohr-, Korn-, und Steppenweihe) sowie Kranich, Ortolan und Wachtel genannt." Na also!

 

Das ist doch genauso plausibel, wie der Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Neugeborenen in Deutschland und die Abnahme der Störche, oder?  

 

In jedem Fall wäre die starke Vermehrung des lange so seltene Kranichs (weswegen er bereits kürzlich aus der Roten Liste der bedrohten Arten gestrichen werden konnte!) doch eine gute Gelegenheit, der breiten Öffentlichkeit den Maisanbau als bedeutende Artenschutzmaßnahme zur Förderung des Kranichs und anderer Liebhaber großer und strukturarmer Flächen zu verkaufen und dann vielleicht auch noch aus EU-Naturschutzmitteln Zuschüsse zu bekommen. 

Neben der Vergreisung der Bevölkerung kommt nun mit der "Vermaisung" auch die Verdummung. Wie war das noch: Syphilis greift auch das Gehirn an. 

Mi

07

Jan

2015

Facebook-Nutzer überdurchschnittlich intelligent

Menlo Park, Kalif./USA und Regensburg, 7.1.2015

Wie erst jetzt bekannt wurde, beabsichtigte Facebook im vergangenen Jahr, das deutsche Internet-Journal Der Postillon zu kaufen. Marc Zuckerberg soll bereits am Silvesterabend 2013 in einem persönlichen Telefonat mit dem Herausgeber des Satire-Journals überraschend einen mittleren achtstelligen Dollar-Betrag angeboten haben. Er begründete sein großes Interesse damit, daß “Der Postillon” so positiv berichtet habe, häufige Facebook-Nutzung mache schlau.

Anfang 2014 schrieb Facebook dann eine Forschungsstudie aus, um das wissenschaftlich zu untermauern. Beauftragt wurde der international hoch angesehene deutsche Professor Dr. Dr. h. c. mult. Heribert Findeysen und sein Team im Institut für Experimentelle Soziologie in Regensburg. Die Ende des letzten Jahres abgeschlossene und nun veröffentlichte Untersuchung bestätigt, daß die Intelligenz von Facebook-Nutzern deutlich über der von Zeitungslesern liegt.

Neuartig an dieser Untersuchung und wegweisend für die moderne empirische sozialwissenschaftliche Forschung ist die für diese Zwecke eigens entwickelte Methodik. Auf der Basis eines multivariablen Social Interaction-Intelligence-Prediction-Modells können anhand nur weniger Items statistisch hoch gesicherte Korrelationen berechnet werden. Dabei zeigte sich, daß nicht nur die Intelligenz, sondern auch die Kommunikationsfähigkeit, die Kreativität und vor allem der Bildungsgrad von Menschen, die Facebook aktiv nutzen, überdurchschnittlich hoch ist.

Ausgewertet wurden 10 Millionen Facebook-Kommentare und 5.000 Leserbriefe in Tages- und Wochenblättern. Es zeigte sich, daß die Verfasser von Leserbriefen in der Regel weitschweifige und unpräzise Ausführungen machen, ehe sie - wenn überhaupt - auf den Punkt kommen. Da Leserbriefe von Redaktionen zudem meist stark gekürzt werden, um langweilige Überlängen und Wiederholungen zu entfernen, mußten die Daten der Zeitungsleser mit einem Equal-Value-Korrekturfaktor behandelt werden. Die Facekook-Kommentare seien hingegen “in mehr als 99 % der Fälle sehr kurz”, “sprachlich hoch kreativ und verdichtet”, man “käme sofort zum Wesentlichen”. Die hohe Informationsdichte und die sprachliche Vielfalt in Facebook-Kommentaren lasse darauf schließen, daß die Verfasser zum einen “Zusammenhänge äußerst schnell erfassen” und zum anderen ihre Aussagen und Emotionen “mit einem bemerkenswert hohen Maß an Einfallsreichtum” ausdrücken könnten. Auch wenn der Facebook-Beitrag, der kommentiert werde, selbst mehrere Seiten Text umfaßt, könnten ihn die meisten Verfasser von Kommentaren “blitzschnell analysieren” und würden sich dann “punktgenau auf das beschränken, was ihnen besonders wichtig sei”. Antworten würden daher nicht selten im Sekunden- oder Minutentakt eingehen.

Völlig überrascht waren die Wissenschaftler, als sie sich diejenigen Personen der Facebook-Stichprobe anschauten, die sehr häufig Andere kommentieren. Es sei äußerst erstaunlich, was ein einziger Facebook-Nutzer so alles beurteilen könne. Es gebe Personen, die “immer wieder über jedes beliebige Thema sehr kurze und zielgerichtete Kommentare” abgegeben hätten. Diese Ziele habe man in der Untersuchung allerdings nicht analysiert, da es nicht Auftrag der Studie war.

Durch das freundliche Entgegenkommen von Facebook  und NSA konnten die Wissenschaftler die Persönlichkeitsprofile der 350 intelligentesten Personen aus dieser Untersuchung einsehen. Dabei gab es eine weitere Überraschung, die für alle Bildungspolitiker ernüchternd ist: “Der Umfang des Schulabschlusses korreliert nicht mit den auf Facebook gezeigten Höchstleistungen”, d. h. für Spitzenleistungen bei Facebook braucht man kein Abitur oder Studium. Diese Ergebnisse werfen ein sehr zweifelhaftes Licht auf alle bisherigen PISA-Ergebnissen, an denen sich die Bildungspolitik bisher orientiert.

Für die Sozialwissenschaften stellt sich nun die weitergehende Frage, ob vielleicht die beiden Kategorien Kreativität und Intelligenz bei Nutzern von Twitter noch höher ausgeprägt sind, weil die Anzahl der Zeichen einer Twittermeldung eine noch stärkere Verdichtung der zu versendenden Informationen und daher noch mehr Gehirnleistung erfordert. Daß es zwischen Facebook- und Twitter-Nutzern beim Bildungsniveau Unterschiede gibt, ist nach Professor Findeysen allerdings eher unwahrscheinlich. Aber das will er in einer neuen Studie beweisen, die von Twitter finanziert wird und auch vom Bundesbildungsministerum aus PISA-Mitteln unterstützt werden soll.

Als das Ergebnis der Facebook-Untersuchung in der Öffentlichkeit bekannt wurde, schnellte der Aktienkurs von Facebook binnen wenigen Minuten um 0,15 Punkte nach oben. Auch die Kultusministerkonferenz hat bereits reagiert und fordert mehr Computerbildung in den Grundschulen und einen Facebook-Account für jedes Kind zur Einschulung. Der Verband Deutscher Zeitungsverleger ist zutiefst beunruhigt und will auf seiner nächsten Tagung im Mai, Notmaßnahmen beschließen. Neben rechtlichen Schritten erwägt man, bei einer konkurrierenden Wissenschaftlergruppe der Harvard-University eine Gegenstudie mit 10 Millionen Leserbriefen und 5.000 Facebook-Kommentaren in Auftrag zu geben. Diese Wissenschaftler haben sich mit einem ganz neu entwickelten Unequal-Value-Korrekturfaktor einen Namen gemacht.

Nachtrag:

 

Wie wir inzwischen in Erfahrung bringen konnten, hat “Der Postillon” am Silvesterabend 2014 das Kaufangebot von Facebook endgültig abgelehnt, da man wegen der steigenden Leserzahlen evtl. an die Börse gehen wolle und dann selbst erwäge, Facebook aufzukaufen.

 

(ACHTUNG SATIRE!)

Sa

22

Nov

2014

Türkunst in Funchal/Madeira

Die Insel Madeira lohnt auch im Winter einen Besuch. Neben einer faszinierenden Landschaft bietet z.B. die Altstadt von Funchal Kreatives: rund 100 künstlerich gestaltete Haustüren, von denen zahlreiche hier in einer Bildergalerie zu besichtigen sind.

 

YouTube:   Madeira-Impressionen I

 

                 Madeira-Impressionen II

Mo

26

Aug

2013

Strukturelle Ähnlichkeit zwischen Puff und Politik

Bundesregierung stoppt Wissenschaftliches Jahrbuch:

Im Wissenschaftlichen Jahrbuch der Katholischen Hochschule Maria Hilf in Regensburg, das alljährlich Anfang September erscheint, wollte in diesem Jahr (2013) der international angesehene Wissenschaftler und Professor für Experimentelle Soziologie Dr. Dr. h.c. Heribert Findeysen Forschungsergebnisse publizieren, denen im Hinblick auf die gegenwärtige Politik eine hohe Bedeutung zukommt. Doch die Bundesregierung hat dagegen interveniert.

 

Der seit 2 Jahren emeritierte Professor, der sich selbst als „christianisierten Alt-68er“ bezeichnet, hat bei seinen fast 40-jährigen Forschungen über die Organisation sozialer Systeme herausgefunden, daß einige gesellschaftliche Strukturen "die starke Tendenz zu parasitärem Wachstum haben". Ihre hervorstechenden Merkmale sind Selbststabilisierung durch tumorartige Ausdehnung, Unterdrückung anderer Strukturen, Einschränkung der menschlichen Freiheit und der Kreativität.

Während Professor Findeysen sich bisher vor allem mit den Systemen Kirche, Banken und Bürokratie beschäftigt hat, vergleicht er in seiner aktuellen Studie die Organisationsformen von Politik und Prostitution. Durch persönliche Feldforschung und durch narrative Interviews mit repräsentativen Vertretern beider Bereiche kommt er zu dem Schluß, daß die beiden Systeme heute nach sehr ähnlichen Prinzipien und Mechanismen funktionieren.

Nach Findeysen kann das jeder Laie bereits daran erkennen, wenn er einmal "Begriffe für politische Systemkomponenten, wie etwa Politiker, Partei, Interessenverband, politischer Vortrag u. a., durch Bezeichnungen aus einem normalen Bordell ersetzt, wie etwa Hure, Zuhälter, Kunde, Oralsex oder Puffmutter“.

Laut der uns als Manuskript vorliegenden Studie würde in beiden Bereichen das meiste „im Dunkeln geschehen“. Kunden und Lobbyisten „möchten in der Regel nicht öffentlich erkannt werden". Sowohl Politiker wie auch Huren verdienten ihr Geld mit der "wohl dosierten Reibung" mit anderen Personen, würden häufig „versprochene Leistungen nur lustlos erbringen oder gar vortäuschen“ und vom Kunden für besondere Dienstleistungen extra belohnt". Zum Beispiel seien honorarpflichtige Vorträge (z. B. beim Spielhallenverband) der politische „Oralverkehr“ und sehr beliebt, während der "Straßenstrich" nicht so einträglich sei. Besonders anspruchsvolle und zahlungskräftige „Spezialkunden suche man sogar zuhause, auf der privaten Segelyacht oder im Ferienhaus auf" und „gewähre ihnen Spezialservice ohne Zeitdruck". Derartige Beziehungen würden manchmal über Jahre Bestand haben ("Stammkunden"), wofür später noch manches "in den Hintern geblasen" werde. Manchmal würden Freunde und Familienangehörige mit ins Geschäft einbezogen. Parteien würden wie Zuhälter mit Zwang (sog. Fraktionszwang) darüber wachen, daß kein Abgeordneter „fremdgeht“ usw. In beiden Bereichen gäbe es insgesamt mehr Schein als Sein".

 

Im persönlichen Gespräch wollte sich Professor Findeysen gegenüber unserem Redakteur nicht dazu äußern, ob die Bezeichnung der Bundeskanzlerin als “Mutti” ein Indiz dafür sei, daß auch einige Abgeordnete der CDU/CSU die Problematik schon intuitiv erfaßt hätten. Findeysen kritisiert jedoch scharf den Gebrauch des Wortes „Mutter“ in beiden Bereichen, der deutlich mache, wie gesellschaftlich positiv besetzte Begriffe rücksichtslos sowohl von Politik wie von Rotlichtszene mißbraucht würden.

 

Die Ergebnisse der Studie, von denen wir hier leider nur wenige Beispiele veröffentlichen können, sind indes so brisant, daß die Bundesregierung den Rektor der Hochschule aufgefordert hat, das Jahrbuch auf keinen Fall mehr vor der Bundestagswahl zu veröffentlichen. Der Artikel dürfe dann überhaupt – weil unmittelbare Sicherheitsinteressen Deutschlands berührt würden – nur nach deutlicher Kürzung und Überarbeitung publiziert werden. Das Innenministerium hat im Auftrage des Kanzleramtes dazu umgehend einen geheimen Krisenstab einberufen sowie die Mitglieder des Sicherheitsausschusses gebeten, einige vertrauenswürdige Personen aus der persönlichen Verwandtschaft der Mitglieder zu benennen, die auf Kosten des Auswärtigen Amtes zwecks Beratung zu einschlägigen Experten nach Italien gesandt werden könnten. 

 

 

Aktueller Nachtrag:

Wie wir gerade von unserem Gewährsmann in einem Berliner Erotik-Club nahe dem Bundestag erfahren, will jetzt der Verband Deutscher Zuhälter gGmbH einen Auftrag in sechsstelliger Höhe an eine im Corporate Design erfahrene Agentur vergeben, um für die breite Öffentlichkeit ausarbeiten zu lassen, wo es doch noch ein paar wichtige Unterschiede zwischen Puff und Politik gibt. Offenbar möchte man nicht, daß das grassierende Desinteresse der Bürger an Politik vielleicht auch auf die Prostitution übergreifen könnte.

 

26.08.2013

(Verf. ist der NSA bekannt)

 

(ACHTUNG SATIRE!)


Politics is the entertainment division

 

of the military industrial complex.


Frank Zappa

Do

06

Jun

2013

"Syphilis" in Schleswig-Holstein

Maisanbau - die Syphilis der Landwirtschaft
Maisanbau - die Syphilis der Landwirtschaft

Der Mais ist aufgelaufen und wartet jetzt auf den Feldern in schier endlosen Reihen - zur Freude der chemischen Industrie - auf Spritzungen und Düngung. Für den Maisanbau wurde daher in den 70er Jahren von Kritikern einer umweltschädlichen Land-wirtschaft die Bezeichnung "Syphilis der Landwirtschaft" geprägt.

 

Infolge der sog. Energiewende hat sich der Maisanbau noch beträchtlich ausgeweitet und nimmt in Schleswig-Holstein gegenwärtig etwa 19 % der landwirtschaftlichen Fläche ein. Das sind mehr als 190.000 ha, wovon die Hälfte der Biogasgewinnung, die andere zur Viehfütterung in der Intensivhaltung dient (mit der Folge der Gülleproduktion, die wiederum auf Maisäckern ausgebracht wird). Beides stinkt.

 

In Abwandlung des Filmtitels von 1959 "Und ewig singen die Wälder" (nach einem erfolgreichen Roman des norwegischen Schriftstellers Trygve Gulbranssen) kann man hier treffend sagen:

 

 

"Und ewig stinken die Felder!"

 

Im Vergleich zu den 190.000 ha Mais in Schleswig-Holstein beträgt die Waldfläche jedoch nur 155.000 ha. 

Somit gibt es im Urlaubsland Schleswig-Holstein inzwischen deutlich mehr Maisäcker als Wälder!

 

 

 

Nachtrag:
"Das Thema Vermaisung im öffentlichen Diskurs" - Artikel in der Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft (Band 91, Heft 2, August 2013), die vom Bundeslandwirtschaftsministerium herausgegeben wird.   

Mo

18

Feb

2013

Es ist nicht zu fassen ...

... wie weit unsere "Zivilisation" reicht.

 

Siehe:

 

http://www.facebook.com/photo.php?v=489518334448906