(Un-)Wichtiges zur Person

 

 

Dr. Ulrich Jüdes

Jg. 1949

 

 

 

Da der NSA und dem BND vermutlich sowieso alle meine persönlichen Daten bekannt sind, habe ich mich entschlossen, auf dieser Homepage ein paar biografische Angaben zu machen, damit auch normale Neugierige zufrieden sein können: 

 

 

 

  • Kindheit und Jugend in Lübeck
    verlebte ich als eine knappe, aber glückliche Zeit in einer Familie, die leider durch den Größenwahn eines zugewanderten Österreichers bereits vor meiner Geburt ihre Heimat und alles Materielle verloren hatte.
  • Schule in Lübeck
    endete mit einem nur mittelmäßigen Abitur, weil ich in der Unterstufe lieber Höhlen gebaut und Vögel beobachtet, in der Mittelstufe vor allem chemische Experimente mit viel Gestank und kleinen Explosionen gemacht und in der Oberstufe des Gymnasiums intensiv Judo und Karate trainiert habe. Trotzdem konnten ein paar menschlich und fachlich beeindruckende Lehrer bei mir Sachinteressen wecken, die leider überwiegend abseits des aktuellen Lehrplanstoffs lagen.
  • Wehrdienst in Nord- und Süddeutschland
    von viel zu langen 18 Monaten mit Durch-den-Dreck-Kriechen und Verschießen von Übungsmunition für das deutsche Vaterland, zunächst bei der Feldartillerie, deren Geschütze Atomsprengköpfe (bei den Amerikanern gelagert) abfeuern konnten, später bei der ABC-Abwehr, wo wir die ziemlich sinnlose "Entseuchung" verstrahlter und vergifteter Fahrzeuge und Menschen per Hand mittels Dampfstrahler übten. Beim sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei (August 1968) konnte ich hautnah miterleben, was militärischer Alarmzustand heißt. Das einzige Erfreuliche an dieser Zeit waren die vielen Ausflüge im schönen Allgäu gemeinsam mit zwei ebenso wenig motivierten Mitanwärtern meines Offizierslehrganges sowie mit der hübschen Tochter des Bataillonskommandeurs.  
  • Studium der Biologie, Chemie, Geographie, Philosophie, Pädagogik
    und ein paar weiterer Fächer in Kiel und Tübingen (ab 1969), um endlich die Phänomene dieser Welt, die Vielfalt des Lebens und die Dummheit des Menschen besser zu verstehen. Dabei begegnete ich zwar geistigen und menschlichen Größen, die mich sehr beeindruckt haben, aber leider auch dem Gegenteil.
    Während einer etwa halbjährigen Mitgliedschaft in einer der sog. etablierten Parteien bekam ich einen kurzen, aber ausreichenden Eindruck politisch-ideologischer Beschränktheit. Es war für mich auch erstaunlich, an wie vielen meiner Kommilitonen der Geist der 68er und die Umwelt- und Friedensthematik völlig vorbei ging.
    Besondere Höhepunkte in dieser so aufwühlenden Zeit waren mein Besuch des legendären Pop-Festivals auf der Isle of Wight (1970), bei dem nahezu alle damaligen Stars der internationalen Popszene vor etwa 600.000 bekifften (nur ich war clean!), aber glücklichen und friedlichen Festivalbesuchern auftraten, eine ausgesprochen stürmische Seereise mit dem Forschungsschiff "Anton-Dohrn" zu den Shetland-Inseln und in den Nordatlantik zwecks Untersuchung der Wanderung von Heringslarven, ein sehr anregendes Naturschutzseminar des Instituts für Haustierkunde mit der nachfolgenden Gründung der ersten außerparlamentarischen Umwelt-Bürgerinitiative in Schleswig-Holstein gemeinsam mit zwei Kommilitonen, mehrere Reisen nach Asien (Sri Lanka, Thailand, Myanmar) sowie ganz besonders die fünf Jahre meiner ersten praktischen Forschung mit dem Ziel der .... 
  • Promotion zum Dr. rer. nat.
    mit einer Doktorarbeit über das Liebesleben zweier einheimischer Muriden (1977). Meinem Doktorvater (Prof. Dr. H. Bohlken) und meinem "Doktorgroßvater" (Prof. Dr. Dr. h.c. W. Herre) sei gedankt für ihre Geduld mit einem neugierigen und begeisterten Jungforscher, für vielfältige Anregungen und für die gewährte geistige Freiheit.
    Ich lebte während dieser für mich sehr wichtigen Zeit in der schönen Landschaft der Holsteinischen Schweiz in einer kleinen Landarbeiterkate eines Gutsbetriebs, gemeinsam mit meiner damaligen Freundin, meinem Münsterländerhund Anko sowie zahlreichen Mäusekäfigen. 
  • Gymnasiallehrer in Bad Segeberg
    Bei Geburt meiner ältesten Tochter (1977) begann zum dritten Mal der "Ernst des Lebens", nun mit der Phase des Nestbaus, einer eigenen Familie und dem Druck des beruflichen Geldverdienens. Da die Schulbürokratie mit der Verlängerung meiner befristeten Lehrerstelle jedoch zu schwerfällig war, konnten mich auch die vielen netten Schüler im Gymnasium Bad Segeberg nicht als Lehrer halten. Ich wählte lieber den Weg zurück in die Wissenschaft als ...
  • Wissenschaftler in der Medizinischen Hochschule Lübeck (MHL) 
    In der biomedizinischen Forschung, zunächst in der Abteilung für Humangenetik (Prof. Dr. R. A. Pfeiffer), beschäftigten mich Arbeiten zur Cytogenetik, Zellkultur, pränatale Diagnostik und Vaterschaftstests.
    Nach einem Studienaufenthalt in Instituten des englischen Medical Research Council arbeitete ich im Institut für Pathologie (Prof. Dr. A. Gropp) an experimentellen Fragen der Kryokonservierung von Embryonen und ihrer Übertragung auf Ammenmütter sowie über Fehlbildungen von Mäusen bei induzierten chromosomalen Trisomien.
    Der Wunsch von Gynäkologen, menschliche Embryonen in flüssigem Stickstoff bei -196 Grad zu konservieren, führte zum Entstehen meines ersten Buches (über Retortenbabys) und im Ergebnis zum Wechsel meines Arbeitsfeldes aus ethischen Gründen.
    Meine frühere Aktivität in einer Umwelt-Bürgerinitiative, mein Engagement im ehrenamtlichen Naturschutz und meine Mitwirkung beim Entstehen der Grünen waren für meine Bewerbungen auf staatliche Stellen im Umweltbereich nicht unbedingt förderlich, so blieb ich weiterhin im Hochschulbereich, jetzt als ...
  • Wissenschaftler und Hochschullehrer an der Universität Kiel
    Im Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel (Prof. Dr. K. Frey) wurde ich vor allem interdisziplinär tätig, zunächst forschend und lehrend im Bereich Gesundheitserziehung, später in der Naturschutz- und Umweltbildung. Neben der Konzipierung, dem Aufbau und der langjährigen Geschäftsführung des BundesUmweltWettbewerbs widmete ich mich der Thematik der Nachhaltigkeit (Sustainable Development) sowie verschiedenen Naturschutzprojekten.
    Vortrags- und Beratungstätigkeiten auf institutioneller, regionaler (verschiedene Beiräte), nationaler und internationaler Ebene (z. B. in der Species Survival Commission und der Education Commission der IUCN) führten mich weit herum. Ein mehrjähriges GTZ-Entwicklungsprojekt in Kamerun und zwei Gastdozenturen an der Mendelejev-Universität in Moskau fielen ebenfalls in diese Zeit. Ferner hatten der Bundesminister für Forschung und Technologie zweimal (1981 und 1983) Lust, mir einen Preis für die beste allgemeinverständliche Darstellung eines wissenschaftlichen Themas, eine amerikanische Naturschutzorganisation (Bat Conservation International), mir die Ehrenmitgliedschaft, und eine schleswig-holsteinische Institution mir eine Ehrennadel zu verleihen. 
    Wichtiger war für mich jedoch der Erfolg meines familiären Nestbaus im Kreis Herzogtum Lauenburg, der 1982, 1984 und 1986 mit drei weiteren Kindern belohnt wurde, von denen jedoch eines leider früh verstarb. 
  • "Wechseljahre"
    Die Jahrtausendwende brachte mir ungeplante Veränderungen durch eine Ehescheidung, die dank der ausgeprägten Geschäftstüchtigkeit zweier Kieler Anwälte zu einem mehrjährigen Horrorerlebnis wurde. Diese Lebenskrise führte mich erstmals an meine Grenzen, dann aber nach dem Motto "Eine Krise ist ein produktiver Zustand, dem man den Beigeschmack der Katastrophe nehmen muss" (nach Max Frisch) schließlich zu einer grundlegenden Neuorientierung. Schmerzen bereiteten dabei nicht die Veränderungen an sich, sondern mein anfänglicher Widerstand gegen die Verlagerung des Schwerpunktes meiner Aufmerksamkeit von außen nach innen, wodurch sich meine Sicht auf die Welt, das Leben und die Menschen völlig wandelte. Mit Tiziano Terzani kann ich heute sagen: ... 
  • Das Ende war (ist) mein Anfang
    Die neue Perspektive wirkte befreiend und kreativitätsfördernd. Ich ersetzte meine 12 kg schwere analoge Contax-Fotoausrüstung durch eine digitale Kompaktkamera, begann wieder Gedichte (wie schon einmal in meiner Jugend) und nicht-fachliche Prosa zu schreiben und zu musizieren (Schlagzeug, Chor). Es war wie ein zweites Geborenwerden im selben Leben, mit einer Art "zweiter Pubertät", erneuten Lehrjahren (Ausbildung in Psychotherapie) und ungeahnten neuen Möglichkeiten, z. B. der Erkundung der menschlichen Unzulänglichkeit in einer Hofgemeinschaft, deren einzig verbindendes soziales Element das regelmäßige Streiten war. Meine etwas anders gelagerten Interessen führten mich von dort für ein paar Jahre nach Bayern und auch immer wieder nach Asien, vor allem in das geheimnisvolle Myanmar, das ich ja bereits 1975 erstmals besucht hatte und das nun geistig und emotional zu meiner "zweiten Heimat" wurde.  
  • Bewußtseinserweiterung
    Durch viele interessante menschliche Begegnungen, wertvolle Erlebnisse und sogar wunderhafte Erfahrungen erschienen bald sogar die alten Schwierigkeiten und Tiefpunkte in einem anderen Licht. Mein naturwissenschaftlich-kausal und materiell geprägtes Weltbild wurde relativiert und erweitert. Dadurch eröffneten sich Dimensionen des Menschseins, in denen Begriffe wie "Ich", "Individuum" und "Wollen" sinnlos sind. Lebenssinn und Glück bekamen für mich neue Bedeutungen. Ein buddhistischer Gelehrter gab mir den Pali-Namen "Abhaya", was auf Deutsch "der frei von Angst ist" heißt.
  • Bewußtseinserheiterung
    Auf diesem Weg begegnete ich schließlich Anne, mit der plötzlich vieles so klar und eindeutig war. Sie begleitet mich seither als meine Ehefrau auf allen äußeren und inneren Reisen, ist aber auch meine wichtigste Kritikerin. Da sie bereits seit vielen Jahren therapeutisch tätig gewesen war, gründeten wir nach unserer gemeinsamen Umsiedlung nach Ostholstein auch hier eine Praxis für Beratung und Psychotherapie, um anderen Menschen in schwierigen Lebenslagen zu helfen. Seit 2016 begleiten wir zudem im Rahmen ehrenamtlicher und überkonfessioneller Hospizarbeit alte und sehr kranke Menschen auf ihrem letzten Wegabschnitt.
    Als Gegenpol zum Altern und Vergehen "gebäre" ich immer wieder gern einmal ernste und nicht ganz ernste kreative Werke (Aphorismen, Kurzgeschichten, Satire, Fotoserien und Videos), für Letztere finden sich zu meinem Erstaunen teilweise sogar in Australien, China und Saudi-Arabien Interessierte.

Wir glauben eigentlich erst dann die Dinge zu verstehen
wenn wir sie auf dasjenige zurückgeführt haben,
was wir nicht verstehen
und nicht verstehen können -
auf Kausalität, auf Axiome, auf Gott, auf den Charakter.

(Georg Simmel)